Happy Birthday – mal anders.

 

Das Leben als alleinerziehendes Elternteil birgt viele Vorteile und viele Möglichkeiten, die andere Eltern nicht haben. Es birgt auch einige Tücken, einiges an Mühsal. Aber dass es hinterlistig ist, einen kalt erwischen kann ist mir neu. Da ich meist das Schlimmste aller Szenarien geistig vorwegnehme und mich recht gut auf das essentziell wichtige im Leben fokussieren kann, bin ich in der Regel auf die gröbsten Erschütterungen gut vorbereitet und berge eine gewisse Resilienz in mir, die mir meist Ruhe und Gelassenheit auch in den stürmischsten Unwägbarkeiten ermöglicht.

 

In all diesen Situationen ist mein Kind mein größtes Glück, das mein Herz überschäumen lässt vor Seeligkeit. Gleichzeitig ist sie auch meine größte Schwachstelle, mein Lindenblatt. Geht es unseren Kindern schlecht, sind sie ernsthaft in möglicher Gefahr zieht sich in uns allen ein Band der Sorge und des Schmerzes um unser Herz. Selbstlos, nur um das Wohl unserer Kleinsten bedacht.

 

Wie ein Pfeil, mitten ins Herz gerichtet traf es mich, als meine Tochter mir am Vortag ihres Geburtstages offenbarte, sie wollte gern, anders als abgesprochen, den Geburtstagsmorgen ihres siebten Geburtstages bei ihrem Vater verbringen. Also auch vorher dort schlafen. Nicht bei mir. Ähm, klar. Kein Problem. Dafür wollte sie lieber an ihrem Geburtstag nach der kleinen Familienfeier bei mir, statt bei Papi schlafen. Ja, natürlich. Stille.

 

Während ich überlegte, ob ich nun mit einer hysterischen Ballontraube aus Helium-Highlights und Insta-Kuchen zu meinem Ex, seiner Freundin, ihren Kindern, ihrem Kuchen, ihren Ballons, seinen Eltern… und ein paar gemeinsamen Freunden dackeln sollte… Und während ich mich fragte, ob ich nun all die Vorbereitungen, den Geburtstagstisch mit Konfetti, Girlanden und Geschenken abtakeln sollte, stellte ich fest, dass mir plötzlich Tränen in die Augen stiegen.

 

Ich sollte zum ersten Mal in meinem Leben nicht mein Kind in die Arme schließen, nach dem sie an ihrem Geburtstag aufwacht? Nicht singen? Sie nicht kurz und voller Liebe wiegen und ihr sagen, wie unendlich doll ich sie liebe? Was für ein wunderbarer kleiner Mensch sie ist? Nicht die unfassbare morgendliche, zittrige Unruhe erleben, mit der der Geburtstagstisch, die brennenden Kerzen und die verpackten Geschenke erst bestaunt und dann in einem alles-auf-einmal-Wahn geentert werden? Mein Hals wurde eng. Ich musste mich setzen. Das ist doch alles gequirlte Kacke! Warum kann ich nicht so ein perfect-glamour-mr.-and-mrs.right-Leben führen wie alle anderen um mich rum? So saß ich da und bemitleidete mich zu alledem noch mit dem Gedanken, dass es doch auch beschissene Oberkacke ist, dass in so einem Moment noch nicht mal Jemand da ist, der einen versteht und kurz in den Arm nimmt. Willkommen im Club der Alleinerziehenden. Kann ich austreten? Stornieren? Während ich so innerlich vor mich hinjammerte sah ich ein Foto von mir als Kind auf dem Arm meiner Mutter am Kühlschrank hängen. Ich betrachtete es. Lange.

 

Warum war ich eigentlich plötzlich traurig? Was war es genau? War es nicht der Wunsch meiner Tochter? Von ihr selbst formuliert? Ist es nicht toll, dass sie sich frei und völlig unvoreingenommen, ohne es Menschen Recht machen zu müssen, Gefallen zu müssen, entscheiden und bewegen kann? Ist es nicht großartig, dass sie zu ihrem Vater eine so enge Verbindung hat, dass auch er das Gesicht ist, welches an einem Geburtstagsmorgen ein Happy Bärchen singen kann? In das sie auch als erstes schauen mag? Für mein Kind wird ihr Geburtstag einer werden, der sie glücklich macht und mit Freude erfüllt. Ist da Traurigkeit nicht egoistisch und selbstbezogen? Kommt Traurigkeit weil mir in dem Moment mein eigener Wunsch wichtiger ist, als der meines Kindes? Während ich diese Gedanken und Fragen in mir bewegte spürte ich, wie mein Herz freier und mein Geist klarer wurde.

 

Ist es nicht wichtig am Ende zu einer Balance zu finden? Als Mutter und Mensch hat man immer mal wieder konträre Gefühle, als die, die wir für richtig oder angemessen empfinden. Aber manchmal hilft es die eigenen Gefühle zu hinterfragen, nicht zu verharren. Überwinden. Und plötzlich bekommt man Möglichkeiten, die Gefühle mit den Dingen in Einklang zu bringen, die einem wirklich wichtig sind. Vielleicht haben unsere Kinder dieses Gleichgewicht in sich und können dabei völlig frei sein. Vielleicht sollten wir unseren Kindern vertrauen, dass sie, wenn sie die Möglichkeit haben, selbst Entscheidungen zu treffen, auch die treffen, die sie glücklich machen werden. Und sollte ich nicht dankbar sein? Auch dafür, dass mein Kind zwei liebende Eltern hat, die sich kümmern und sorgen? Die es lieben?

 

So fix your fu**ing crown, lass den Geburtstagstisch so schön wie er ist – wir werden ihn mit Pizza satt entern und die letzten Geschenke am Ende eines langen Tages glücklich und mit immer noch aufgeregten Augen aufreißen.

 

Dann irgendwann, werde ich das Geburtstagskind in den Schlaf kraulen und froh sein, froh zu sein. We can see the good in every siutation. Always.

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